Bali

Bali und ich, das war keine Liebe auf den ersten Blick, eher ganz im Gegenteil. Zum einen fühlte ich mich ständig von Tieren umzingelt. Ameisen in allen Größen belagerten meinen Frühstückstisch und Mücken suchten sich mit stechsicherer Präzision jene Schwachstellen meine Körpers aus, die ich nicht mit Gelsencreme erreichte oder vergessen hatte einzuschmieren, das Ohrläppchen beispielsweise oder die Zwischenräume zwischen den Zehen.

Sicherlich gab es auch „schöne“ Insekten, wie zum Beispiel bunte Schmetterlinge, die durchs Zimmer flatterten. Sie lieferten sich ein Wettrennen bzw. ein Wettfliegen mit Bienen, Käfern und anderen mir unbekannten und laut brummenden Insekten. Was ich nie zu Gesicht bekam, waren die Zikaden. Wie ein stotternder Motor starteten sie ihre Konzerte, um dann plötzlich zu verstummen. Nach wenigen Minuten begann der intensive Gesang von neuem. Manchmal wurden sie von liebestollen Katzen übertönt, die in der Nacht mit ihrem Geschrei die Hähne der Umgebung weckten.

Reisterrassen in Jatiluwih

Die Reisterrassen in Jatiluwih auf Bali

Maskentanz auf Bali

Maskentanz auf Bali

Ein Fischer auf Bali

Ein Fischer auf Bali

Was mir ebenfalls den Aufenthalt verleidete, war der unübersichtliche Straßenverkehr. Tausende von Mopeds schoben sich durch die Straßen, Tag für Tag, Stunde um Stunde. Dank der nachsichtigen und schnellen Reaktionen der Balinesen war es für uns Touristen kein Problem, die Straße zu überqueren, sie achteten gewissenhaft auf den Verkehrsfluss. Doch wehe es saßen Europäer, Australier, Amerikaner auf den Gefährten! Den Linksverkehr nicht gewöhnt, tuckerten sie mit schreckgeweiteten Augen durch die Straßen. Meistens saßen die Jungs vorne, die Mädchen am Rücksitz. Deren rechter Unterschenkel war mit einer Brandblase verziert, ein Souvenir vom Auspuff.

Hatte man sich einmal an den Straßenverkehr gewöhnt, lauerte das nächste Abenteuer in Form des Gehsteigs auf einen. Unter dem Gehsteig befindet sich nämlich der Kanal. Und fast jedes Haus in Ubud und das sind nicht wenige, hat einen Anschluss an den Kanal, sehr selten jedoch einen intakten Kanaldeckel. So hüpften wir Touristen frisch und fröhlich über ein Loch nach dem anderen.

Das Alter der Touristen erkennt man in Ubud ganz leicht an den Accessoires. Die jüngeren tragen mit Inbrunst ihre Yogamatten spazieren, die älteren führen ihre Regenschirme aus.

Seminyak Beach auf Bali

Seminyak Beach auf Bali

Balinesische Familie

Balinesische Familie

Besakih Tempel auf Bali

Besakih Tempel auf Bali

Mein erster Spaziergang in Ubud sah übrigens so aus: Über die Straße gehechelt, ja nicht stehen bleiben, vorbei an Pizzeria (Free-Wifi), Money-Change, Touristinformation, Restaurant (Free-Wifi), Organic Spa, Warung mit Organic Food inkl. Free-Wifi, ein Hüpfer über den fehlenden Kanaldeckel, Spa Healing, Restaurant mit Organic glutenfree Vegan Food (Free-Wifi), Organic Health Spa, Coffeeshop mit Organic Coffee (Free-Wifi), MoneyChange, Yoga Healing Spa, schnell mal über den Kanaldeckel gehüpft, Restaurant mit Organic Raw Food und Schild: „You don’t have to talk to each other, we have Wi-Fi“, Healing Organic Spa, DNA-Healing. DNA-Healing? Ja, ich habe mich nicht verlesen und hüpfe verwirrt über den nächsten fehlenden Kanaldeckel ins nächste Kaffeehaus (mit Wi-Fi).

Ist natürlich ein total angesagter Schuppen, denn wer trinkt heutzutage auf Bali einen ganz normalen Espresso? Das muss dann schon ein Flat White sein, bitte mit Sojamilch, den Milchschaum bitte linksgerührt. Oder darf es ein Kopi Luwak sein? Die Kaffeebohnen der teuersten Kaffeesorte der Welt werden wie folgt gewonnen: Der Fleckenmusang, eine Schleichkatzenart, treibt sich in den Kaffeewäldern Balis herum, frisst Kaffeekirschen, verdaut das Fruchtfleisch, die Bohnen werden wieder ausgeschieden, der fröhliche Kaffeebauer sammelt die Extremente ein und verarbeitet sie weiter zu röstfrischem Kaffee. Das war die romantische Version. In Wirklichkeit werden die Fleckenmustangs in winzigen Käfigen gehalten und ausnahmslos mit Kaffeekirschen gefüttert. Gut, dann lieber doch keinen Kopi Luwak…

Gamelan Spieler

Gamelan Spieler

Holzgeschnitzte Tempeltür

Holzgeschnitzte Tempeltür

Ein Tempel in Bali

Ein Tempel in Bali

Natürlich übertreibe ich maßlos. Natürlich gab es magische Momente. Der frühmorgendliche Marktbesuch in Ubud mit anschließendem Spaziergang durch die Reisfelder. Die abendlichen Tanzvorführungen im ARMA-Museum. Der Besuch eines Tempelfestes, wo mir eine Frau das heilige Wasser reichte und meine Stirn mit Reiskörnern verzierte. Meine Teilnahme an einem balinesischen Kochkurs. Das Schlendern an endlos langen Sandstränden. Der Geruch von Weihrauch in den Tempeln. Die Architektur der Reisterrassen. Die geschnitzten Holzmasken, die bei den Tempelfesten in Einsatz sind. Sogar einen Hahn hätte ich mir kaufen können, stattdessen zählt jetzt ein steinerner Mörser zu meinem Küchen Equipment.

Bali und ich, das war keine Liebe auf den ersten Blick. Aber auf den zweiten Blick sind wir doch noch ziemlich gute Freunde geworden.

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