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20. Juli 2014

Wer nicht hupt, lebt gefährlich!

Der Rauch der Kretek Zigarette kitzelt in meiner Nase. Normalerweise mag ich es nicht, wenn Taxifahrer rauchen, aber im Moment ist es mir egal. Wir stehen auf einer Straße zwischen Ampana und Luwuk in Sulawesi und warten auf das Handzeichen des Straßenarbeiters zur Weiterfahrt.

Neben uns wird gebaggert.

Wieder einmal hat sich eine Straße in den Abgrund verabschiedet und muss neu befestigt werden. Die Regenzeit fordert ihren Tribut und auch der Trans Sulawesi Highway, den wir von Palopo bis nach Poso befahren haben, ist nicht gefeit durch einen Erdrutsch oder einen Felssturz unbefahrbar zu werden.

Straßensperren sind in Sulawesi an der Tagesordnung. Manche Strecken sind mit Schlaglöchern übersät. Einige Straßen schlängeln sich durch dichte Wälder hoch hinauf auf 1700 Meter und schlängeln sich ebenso wieder hinunter. Wieder andere scheinen für mich unpassierbar, zum Beispiel von Tentena zum Dolidi Ndano Towale Resort, doch der Fahrer weicht stoisch jedem Schlagloch aus.

Die Hupe ist sein bester Freund. Denn eine Faustregel für das Autofahren in Sulawesi lautet:

Wer nicht hupt, lebt gefährlich!

Viel gefährlicher als wir, sind die Mopedfahrer unterwegs. Die Mopeds sind voll beladen, oft mit einem, zwei, drei oder vier Familienmitgliedern, die sich an die Person vor ihnen klammert. Wir überholen Fischer, die ihren morgendlichen Fang vom Meer in die nächstgelegene Stadt und auf den Markt bringen. Wir schlängeln uns an einem Verkäufer von Küchenwaren vorbei, dessen Zweisitzer so vollgepackt ist mit Töpfen, Plastikkörben und Küchenkram, dass ich mich wundere, wie er sein Gleichgewicht halten kann.

Autofahren in Sulawesi bedeutet auch, dass nach kilometerlanger Fahrt durch dichtes Grün plötzlich wie aus dem Nichts ein Zebrastreifen auftaucht. Je nach Gebiet wechselt die Vegetation. Reisfelder wechseln sich ab mit Kakaostauden. Kaffeebohnen werden neben dem Straßenrand ebenso geerntet wie Ananas, Bananen und Cassava. Und hängt jemand hoch über dem Boden in einer Palme und erntet scheinbar nichts, dann zapft der- oder diejenige gerade eine Palme an und gewinnt Palmensaft für die Herstellung von Palmwein.

Vor den Häusern wird die Ernte getrocknet. Reisbauern pflügen mit einem Rechen durch die Körner, Frauen sortieren Kakaobohnen.

Das Leben neben den Straßen ist aufregend

In den Dörfern geht es lebhaft zu. Vorwitzige Hühner wagen sich auf die Straße, verfolgt von braunen Hundebabys. Katzen dösen im Schatten unter dem Haus. Kinder in Schuluniform gehen Hand in Hand und kleinere Kinder tollen umher, was jeden Autofahrer zu Huptiraden veranlasst. Den Kindern ist das völlig egal. Sie spielen unbeirrt weiter. Männer mit Schnurrbärten und Zigaretten im Mund liebkosen ihre Hähne, während die Frauen Wäsche aufhängen. In keinem Land der Welt habe ich soviel frisch gewaschene Wäsche gesehen. Sie hängt auf Leinen, über Zäunen und Büschen und in den Bäumen.

Autofahren in Sulawesi bedeutet, man braucht Zeit. Dafür bekomme ich aber auch Zeit um bei den zahlreichen Stopps mit den Leuten zu plaudern. Ich werde heimlich fotografiert, mit gebackenen Bananen versorgt und bestaune Flughunde, die auf den Transport ins Restaurant warten. Mehr als hundert Mal fragt man mich: „Where do you come from?“ Ich gehe als australische Touristin in die Geschichte Sulawesis ein, Austria kennt kaum jemand.

Nach meiner Reise werde ich die Straßenkilometer addieren und komme auf die stolze Summe von 1143 km. Unterwegs in 6 Autos mit 6 verschiedenen Fahrern in insgesamt 36 Stunden. Und ich möchte keine Stunde davon missen.

Reisebloggerin Tipp

Du planst eine Reise nach Sulawesi? Auf meiner Seite „reisebloggerin.at“ findest du weitere Artikel über diese faszinierende Insel.

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Am liebsten würde ich als Wolkenbeobachterin in einem Baumhaus leben. Bis zur Decke vollgestopft mit Büchern, versteht sich. Denn die verschlinge ich, seit ich denken kann. Ich bin eine Vielleserin, durch und durch. Irgendwann hab‘ ich selbst mit dem Schreiben angefangen. Weil ich mich erinnern möchte. Weil sich auf Papier gebracht vieles leichter sagen lässt. Weil ich kleinen und großen Dingen mit den richtigen Worten das nötige Gewicht verleihen will. Wie eine Geschichtenerzählerin. Meine Texte packe ich wie Geschenke in Formulierungen ein – und der Leser packt sie aus.

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