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1. Januar 2023

Von Margareten bis zum Steffl

Der erste Weg führt mich am Neujahrstag zur Mülltonne im Hof. Vom Müll befreit öffne ich das Haustor, wende mich nach rechts und biege als nächstes links in die Reinprechtsdorferstraße ein. Seit ich im 5.Bezirk, also im Bezirk Margareten wohne, hat sich diese Straße stark verändert. Meiner Meinung nach zum positiven, wobei ich diesen Umstand dem Bau der U2 beimesse. So füllen sich mittlerweile die seit Jahren leer stehenden Läden mit Restaurantbetrieben und Geschäften aller Art.

Nicht dass ich die fünfte Kebabbude unbedingt unterstütze, aber immerhin ist an der Ecke Reinprechtsdorferstraße/Schönbrunnerstraße endlich ein neuer Mieter eingezogen. Das Chocolate Museum hat den Standort Prater verlassen und bringt nun Naschkatzen die Kunst der Schokoladeherstellung in Margareten bei. Mir soll es recht sein.

Was es mit dem mittlerweile eingezäunten Baugrund schräg vis-a-vis des Museums auf sich hat, entnehme ich einem A-4 Zettel hinter einer Vitrine beim Bezirksamt, das sich in der Schönbrunnerstraße 54 befindet. Der erste Gemeindebau seit 25 Jahren ist in Planung, Baustart Ende 2024.

Feierliche Klänge in Margareten

Als ich an der Kirche St.Josef zu Margareten vorbeigehe, höre ich feierliche Klänge aus dem Inneren. Die Neujahrsmesse ist in vollem Gang, daher wage ich keinen Blick in die Kirche. Der Christbaum, der vor dem Eingang in einer Ecke abgestellt ist, sieht allerdings wenig feierlich aus. Er wurde seiner Zweige beraubt, nur der armselige Stamm ragt empor. Rechts an der Ecke der Kirche steht eine Statue der Heiligen Margarete von Antiochia, der Namensgeberin des Bezirks.

Weiter marschiere ich entlang der Schönbrunnerstraße Richtung Karlsplatz. Ich gehe vorbei an Gregors Konditorei, die heute leider geschlossen hat. Der freie Tag sei dem Team gegönnt, das in den letzten Tagen und Wochen unzählige Weihnachtskekse und köstliche Mehlspeisen servierte. Auch ich habe mir gestern noch einen Guglhupf geholt.

Auch im Waldviertlerhof arbeitet man heute nicht und in der Espressobar Marin bleibt die Kaffeemaschine still. Die Schönbrunnerstraße mündet in die Heumühlgasse und wenn ich links durch den Hauseingang blicke, erkenne ich einen Teil der Heumühle, das als zweitältester Profanbau in Wien gilt.

Nicht umsonst erinnert der Name Heumühlgasse an diese Mühle, und noch weitere Straßennamen mit dem Begriff Mühle geleiten mich zum Karlsplatz. Ich biege rechts in die Mühlgasse ein, überquere die Schleifmühlgasse, lande in der Faulmanngasse und wende mich wieder nach rechts. Einmal links um die Ecke, die Operngasse entlang marschiert, beim Bärenmühldurchgang durchquere ich bei der Ampel die Operngasse und lande bei der Bibliothek der Technischen Universität, wo eine riesige Eule, das Sinnbild der Weisheit, die Bibliothek bewacht.

Der Steffl kommt in Sicht

Von nun an schreite ich geradeaus zum Stephansdom, der schon in der Ferne zu sehen ist. Aus einem Lokal taumeln Personen jüngeren Alters hervor, die Musikbässe dröhnen der Karlskirche entgegen. Unweit davon stimmen die Wiener Philharmoniker ihre Instrumente und in Kürze werden die ersten Klänge des Neujahrskonzertes erklingen. Ein fesch herausgeputztes Paar eilt aus diesem Grund zum Musikverein, ich eile allerdings an der Wiener Staatsoper vorbei, wo traditionell die Fledermaus von Johann Strauß am Programm steht.

Am Graben erinnern mich die geschlossenen Verkaufsstände an das Remmidemmi der letzten Nacht. Die zahlreichen Touristen am Stephansplatz betrachten den Stephansdom durch ihre Handys und schicken Neujahrsgrüße in die ganze Welt.

Im Dom ist es allerdings andächtig still.

Möge das Jahr 2023 ein friedvolles werden!

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Am liebsten würde ich als Wolkenbeobachterin in einem Baumhaus leben. Bis zur Decke vollgestopft mit Büchern, versteht sich. Denn die verschlinge ich, seit ich denken kann. Ich bin eine Vielleserin, durch und durch. Irgendwann hab‘ ich selbst mit dem Schreiben angefangen. Weil ich mich erinnern möchte. Weil sich auf Papier gebracht vieles leichter sagen lässt. Weil ich kleinen und großen Dingen mit den richtigen Worten das nötige Gewicht verleihen will. Wie eine Geschichtenerzählerin. Meine Texte packe ich wie Geschenke in Formulierungen ein – und der Leser packt sie aus.

Miriam blitzt - Miriam Mehlman Fotografie