Frischer Fisch auf Cabo Verde

Ich esse gerne Fisch. Noch lieber esse ich frischen Fisch. Am liebsten esse ich frischen Fisch aus dem Meer. Und spätestens jetzt kapituliere ich. Denn was in Österreich auf den Teller kommt, ist meistens ein panierter Zander oder Forelle blau, selten ein Saibling. Das unterscheidet sich gehörig von dem, was auf Cabo Verde auf der Speisekarte steht: Tunfisch, Sägefisch, Schwertfisch, Muräne, Barsch, Langusten und der von mir heiß geliebte Tintenfisch.

Tintenfisch

Tintenfisch – nur eines von vielen Fischgerichten auf Cabo Verde

Fischen auf den Kapverden ist Männerarbeit

Dass Fischen Schwerstarbeit ist, habe ich erst auf den Kapverden richtig begriffen. Da geht es nicht darum eine Angel in das Meer zu halten und zu warten, bis einer anbeißt. Da geht es darum den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu verdienen und einen Teil vom Fang als Lohn zu erhalten.

Fischen ist Männerarbeit. Nie habe ich einen Fischer alleine sein Handwerk verrichten gesehen, immer waren mehrere Männer am Werk. Das fängt an beim Holzboot ins Meer schieben und beim Netze einholen. Sind die Netze voll, werden sie gemeinsam an Bord gehievt. Ausgeladen wird wiederum gemeinsam.

Fischer auf Cabo Verde

Fischen ist Männerarbeit auf Cabo Verde

Im Hafen von Ponta do Sol

Im Hafen von Ponta do Sol

Sorgfältig wird der Fisch aus dem Netz gelöst oder unter den Bootsplanken hervorgeholt. Der Fisch landet in Kübeln oder Plastikbehältern und wird dann den Frauen überlassen. Je nach Größe des Ortes wird der Fisch gleich am Strand verkauft und aufgeteilt oder landet in einer Markthalle.

Fischfang auf den Kapverden

Fischfang auf den Kapverden

Der Handel mit Fisch direkt am Strand

Hier werden die Fische gleich direkt am Strand versteigert

Den größten Fischmarkt auf den Kapverden habe ich in Mindelo gesehen.

Es gibt eine ganz klare Arbeitsteilung: Gehandelt wird der Fisch ausschließlich von Frauen, zerlegt und ausgenommen werden die Fische wiederum von Männern.

Fischmarkt in Mindelo

Fischmarkt in Mindelo

Sägefisch

zwei Sägefische warten aufs Zerlegen

Der Fischmarkt in Mindelo

Der Fischmarkt in Mindelo

Nirgendwo wurden Langusten zum Kauf angeboten, was mich verwunderte, denn sie standen auf jeder Speisekarte. Doch was auf einer Speisekarte steht, wird noch lange nicht serviert, diese Erfahrung machte ich dann in Sal. Hier erklärte mir die Kellnerin in einem Fischrestaurant dass das Wetter momentan zu unruhig sei um Langusten zu fangen. Und überhaupt, erzählte sie mit tränennassen Augen, ein Boot mit zwei Fischern sei seit heute morgen verschollen.

Das Meer, das wilde Meer

Da erinnerte ich mich wieder an den Vorfall in Pedra Badejo auf der Insel Santiago. Dutzende Menschen saßen auf der Hafenmauer und starrten wie gebannt aufs Meer hinaus. Ich starrte mit. Ein Fischerboot war leck geschlagen und andere Boote eilten zu Hilfe. Der hohe Wellengang erschwerte das Hilfsmanöver, die Boote trieben immer wieder auf die Felsen zu. Eine Frau löste sich aus der Gruppe der Zuschauer und lief weinend davon. Endlich konnte das leck geschlagene Boot in Schlepptau genommen werden. Es dauerte noch eine halbe Stunde bis die Boote den Hafen erreichten, die Zuschauer zerstreuten sich, es gab nichts mehr zu sehen außer einem Bootsbesitzer, der den Laderaum leer schöpfte.

Was mag in seinem Kopf vorgehen? Freude, weil überlebt? Wut auf das Meer, seinem Arbeitsplatz? Oder einfach nur Erleichterung, weil das Boot repariert werden kann und sein Lebensunterhalt gesichert ist?

Ich weiß es nicht. Die Fischer haben die größte Hochachtung vor mir und jeder Fisch, der in Zukunft auf meinem Teller landete (und es waren viele auf den Kapverden), wurde fortan mit Genuss und einem „Danke“ verspeist.