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29. April 2014

Flandern – Der weiße Fleck auf meiner Landkarte wird bunt

Flandern, vor wenigen Tagen warst Du noch ein großer, weißer Fleck auf meiner Landkarte. Meine einzige Erinnerung an Dich habe ich einer Melodie aus einer Comicserie zu verdanken, die irgendwann in den 80ern im Fernsehen lief: Niklaas, ein Junge aus Flandern.

Die Serie ist traurig. Ein Waisenjunge spielt die Hauptrolle und wurschtelt sich, begleitet von seinem Hund Patrasch, durch ein viel zu strapaziöses Leben. Und dann steige ich, die Titelmelodie der Serie summend, aus dem Zug.

Angekommen in Brüssel

Auf dem Weg zum Hotel in Brüssel ziehe ich meinen Trolley hinter mir her und biege nichts ahnend in eine schmale Gasse ein. Und bammm! Er strahlt und glitzert in der Morgensonne: Der Grotemarkt. Und ja, es mag eine Plattitüde sein, aber es raubt mir sprichwörtlich den Atem. So funkelnd, so schön, so unbeschreiblich!

Art Nouveau und Comiczeichnungen

Nur wenige Stunden später das gleiche Phänomen. Ich stehe im Wohnhaus Victor Hortas und staune. Victor Horta? Diesen Namen habe ich noch nie gehört. Dabei hat dieser Architekt wie kein zweiter die Stilrichtung Art Nouveau in seiner Heimatstadt umgesetzt.

In seinem ehemaligen Wohnhaus in der Rue Américaine bewundere ich die Detailversessenheit des Künstlers. Jede geschwungene Linie, jede Nische, jede Einzelheit ist ein Kunstwerk. Und alles zusammen? Eine Meisterleistung!

In der Stadt Brüssel wechseln sich die Art Nouveau Häuser mit großflächigen Comic-Illustrationen ab. Ein Comic-Held nach dem anderen wurde und wird großflächig verewigt. Tim und Struppi, Asterix und Obelix, Lucky Luke und die Schlümpfe, sie alle bevölkern mittlerweile über 40 Wände der Stadt. Und das Schöne daran, es werden immer noch mehr!

Zwischen Art-Nouveau-Architektur und Comiczeichnungen liegen Schokoladenläden mit so verheißungvollen Namen wie Laurent Gerbaut, Passion Chocolat oder Espace Planete Chocolat. Sie locken jeden Diätwilligen in die Falle. Schon der Duft der Schokolade schlägt sich bei mir auf die Hüften.

Habe ich das Bier schon erwähnt? Angeblich gibt es über 500 „normale“ Sorten. Mit den Spezialsorten kommt man schnell über 1000. Ich habe „nur“ 8 Biere verkostet und sie schmeckten mir. Alle.

Aber Vorsicht: Wo Triple draufsteht, ist Triple drinnen und dieses Bier ist wirklich stark!

Flandern: Zu Besuch in Gent

Stark ist auch Gent. Feiertagsstimmung am Graslei und am Korenlei. Studenten und Touristen, Einheimische und Tagesbesucher teilen sich Sonnenlicht und ein Plätzchen an der Leie. Die Kunstbegeisterten teilen sich die wenige Atemluft in der Taufkapelle der Sint-Baafskathedral. Hier ist einer der größten Kulturschätze Europas ausgestellt: Der Genter Altar, auch „Anbetung des Lamm Gottes“ genannt. Wer es ruhiger und beschaulicher mag, besucht den Alten Beginenhof. Oder das mittelalterliche Viertel Patershol. Oder das Haus von Alijn und trinkt dort ein Bier.

Laufen in Brügge

Nach drei Tagen bin ich müde. Müde von all den Eindrücken. Und Brügge steht noch aus! Noch schläft die Stadt, als mich Thomas bei der Jan Breydel und Pieter de Coninck Statue am Marktplatz abholt. Gemeinsam mit ihm erlaufe ich mir Brügge. Er kennt jede Gasse und jedes Museum, erzählt Anekdoten und zeigt mir das gemütlichste Bierlokal der Stadt.

Vorbei am Vogelfänger, an Windmühlen, an Pfadfindern, Schwänen und japanischen Touristen erkunden wir die Stadt.

Schön ist es hier! Hier in Brügge, hier in Flandern! Wieder einmal war die Zeit zu kurz. Der Michelangelo in der Brügger Liebfrauenkirche muss warten. Ebenso das Fritten- und das Schokoladenmuseum. In Brüssel möchte ich unbedingt das Magrittemuseum besuchen. Und was wartet in Gent auf mich? Ein unglaublich guter Kaffee und ein unheimlich guter Erdbeerkuchen in einem der gemütlichsten Kaffeehäuser der Welt.

Flandern, ich komme gerne wieder!

Eingeladen zu dieser Reise nach Brüssel, Gent und Brügge hat mich Tourismus Flandern-Brüssel. Vielen Dank!

Reisebloggerin Tipp

Du planst einen Kurztripp nach Antwerpen? Auf der Seite „kofferpacken.at“ hat Maria Infos zusammen gestellt, die dir bei der Planung helfen könnten.

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Am liebsten würde ich als Wolkenbeobachterin in einem Baumhaus leben. Bis zur Decke vollgestopft mit Büchern, versteht sich. Denn die verschlinge ich, seit ich denken kann. Ich bin eine Vielleserin, durch und durch. Irgendwann hab‘ ich selbst mit dem Schreiben angefangen. Weil ich mich erinnern möchte. Weil sich auf Papier gebracht vieles leichter sagen lässt. Weil ich kleinen und großen Dingen mit den richtigen Worten das nötige Gewicht verleihen will. Wie eine Geschichtenerzählerin. Meine Texte packe ich wie Geschenke in Formulierungen ein – und der Leser packt sie aus.

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