Fogo heißt Feuer

Zuerst rannten die Hunde. Fast genau zehn Stunden vor dem Vulkanausbruch auf Fogo am 23.November 2014 flüchteten die Tiere aus dem Talkessel Chã das Caldeiras. Noch in dieser Nacht wuchs der Pico Pequeno, ein Nebenkegel des Pico de Fogo, um ein vielfaches an, um sich am Vormittag mit heißen Lavaströmen zu entladen.

Fogo heißt Feuer. Seefahrer haben die Insel so getauft, denn die Rauchwolke, die aus dem Vulkankegel kam, zeigte ihnen den Weg. Das ist mehrere Jahrhunderte her. Doch der Vulkan, vor dem ich heute stehe, spukt schon wieder Rauchwolken und Steine aus.

Die Überreste des Pico Pequeno

Die Überreste des Pico Pequeno auf Fogo

Von 220 Häusern sind 12 übrig geblieben. Die Lava hat sie verschluckt. Die Straße, die Häuser der Bewohner, die kleinen Pensionen für die Wanderer, die Wein-Kooperative des berühmten Fogo-Weins, das Besucherzentrum, alles ist weg. Zurückgeblieben ist erkaltete Lava in bizarrer Form, wovon ich ein kleines Stück in den Händen halte.

Lava auf Fogo

erkaltete Lava auf Fogo

Ob wir in die Chã das Caldeiras gelangten, ist nicht gewiss. Das Militär kontrolliere die Zugänge, wird uns erzählt. Doch wir können die einzige Straße, die in die Caldeiras führt, passieren. Nach wenigen Metern ist Schluss. Das Lava hat die Straße übernommen. Sie ist  weg.

Verschüttete Straße

Die verschüttete Straße

Ich steige aus dem Auto und höre ein merkwürdig gedämpftes Knallen, das durch den Schall der umliegenden Bordeira de Fogo (fast 1000 Meter hohe Felswände, die die Caldeiras im Westen und Süden umschließen) verstärkt wird. Ich brauche einen Augenblick, um die Herkunft des Lärms zu identifizieren: Es kommt aus dem Inneren der Erde. Es sind die Geräusche des Vulkans. Es hört sich an, als ob jemand im Inneren der Erde arbeitet. Ein Baggerfahrer, der sich verirrt hat. Ein Billardspiel, tief unten in der Erde. Ein Riese, der Steine aus dem Loch schaufelt.

Denn bei genauem Hinsehen kommen sie geflogen, die Steine. Ich gehe nicht nahe ran, ich habe zuviel Respekt. Nur die Lava möchte ich berühren. Ist sie noch warm?

Ein bizzarer Fluß aus geschmolzenem Erdinneren hat sich entlang und auf der Straße gebildet. Erdmaterial, das gewalzt, gefaltet und zugleich zerbröselt aussieht. Wieder stört ein lautes Grummeln und Fauchen die Stille. Aus dem Vulkan kommt eine graue Wolke, gefolgt von Steinbrocken.

Lava auf Fogo

Lava auf Fogo

Erstarrte Lava

Erstarrte Lava

Viel lieber hätte ich im Dorf Wein verkostet, der in gegrabenen Senken des Vulkansands angebaut wird. Viel lieber hätte ich in einer der kleinen Pensionen übernachtet, wäre um halb sechs Uhr früh aufgestanden und hätte den Pico den Fogo bezwungen.

Wein auf Fogo

Wein auf Fogo

Stattdessen bleibe ich zwei Stunden in der Caldeiras und starre auf dieses schrecklich schöne Schauspiel.

Hoffentlich geben die Bewohner der Caldeira nicht auf und bauen wie schon zuletzt beim Vulkanausbruch 1995 ihre Häuser, ihre Weingärten und ihre Obstplantagen wieder auf. Hoffentlich trotzen sie dem Feuer.