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23. Oktober 2013

Ach, Venedig, wirst Du wirklich untergehen?

Der Löwe von Venedig

Sommer 2008 in Venedig. Ich war enttäuscht und verzweifelt. Eine Stadt wie im Märchen wollte ich vorfinden. Was fand ich? Touristen, Touristen und nochmals Touristen. Und zwar überall. In jeder Kirche, in jedem Museum, auf jeder Treppenstufe saßen, aßen und bewegten sie sich. Sie campierten auf dem Markusplatz, besetzten die Rialtobrücke und beengten jedes Vaporetto.

Ach, Serenissima, warum bist Du so voll gestopft? Aber gerne gebe ich Dir eine zweite Chance….

Oktober 2013. Liebe Stadt, Du gefällst mir viel besser!

Kaum sehe ich einen Touristen, weiche ich großräumig aus. Ich trinke meinen Espresso mit Studenten in einer Bar und das Schöne ist, ich verstehe kein Wort! Alles Italiener. Mit einem Einheimischen radebreche ich in französischer Sprache und erfahre, er hat drei Kinder, sechs Enkelkinder und ist seit 44 Jahren verheiratet. Der Fahrer des Vaporetto erzählt mir, wie „fantastico“ das Silvesterfeuerwerk in Wien ist und ich erwidere, Venedig sei „grandioso“.

Liebe Venezianer, wo wart ihr vor fünf Jahren? Habt ihr euch versteckt? Vor den riesigen Kreuzfahrtschiffen, die euren Hafen belagern und Tagestouristen an Land spülen? „No grandi navi“ steht auf den Transparenten geschrieben, die ihr auf euren Balkonen angebracht habt. Und wirklich, die Schiffe sind riesig im Vergleich zu euren Häusern.

Der Film „Das Venedig Prinzip“ zeigt die Problematik des Kreuzfahrtschifftourismus. Zu viele Touristen in zu kurzer Zeit an diesem besonderen Ort.

Ach, Venedig, wirst Du wirklich untergehen, im Meer versinken?

Hoffentlich nicht, denn in fünf Jahren besuche ich Dich wieder, versprochen!

Und plötzlich wurde es Dezember 2018. Ich hatte die Stadt für mich alleine. Ich spazierte durch menschenleere Gassen, besuchte die Bleikammern im Dogenpalast, schipperte zur Insel der Armenier, stieg auf Türme und wieder hinab. Venedig und ich, das war keine Liebe auf den ersten Blick, das war eine Liebe für immer.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Julia am 2. September 2020 um 15:49

    Venedig ist ein Traum für mich. War schon 2x da. Sobald man sich von den Hauptrouten weg bewegt ist es leer. Wir haben in den Nebengassen schöne Plätze gefunden, um ungestört auf den Stufen eines Kanals einen Spritz zu trinken. Wir haben direkt in Venedig gewohnt und es war toll, spät unterwegs zu sein. Dann sind alle Touristen weg, man sitzt mit Einheimischen am Kanal und trinkt die kleinen Portionen Wein und futtert die leckeren Häppchen.
    Das schönste Erlebnis war es, morgens um 6.30 durch die Stadt zu joggen – nicht ohne Navi, denn sonst hätte ich nie zurückgefunden. Aber es war eine ganz ganz andere Stadt, ruhig, leer, tolle Farben, ab und an ein Gassiegeher oder eine Müllgondel. Ich muss unbedingt noch mal hin!

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Am liebsten würde ich als Wolkenbeobachterin in einem Baumhaus leben. Bis zur Decke vollgestopft mit Büchern, versteht sich. Denn die verschlinge ich, seit ich denken kann. Ich bin eine Vielleserin, durch und durch. Irgendwann hab‘ ich selbst mit dem Schreiben angefangen. Weil ich mich erinnern möchte. Weil sich auf Papier gebracht vieles leichter sagen lässt. Weil ich kleinen und großen Dingen mit den richtigen Worten das nötige Gewicht verleihen will. Wie eine Geschichtenerzählerin. Meine Texte packe ich wie Geschenke in Formulierungen ein – und der Leser packt sie aus.

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