Gudrun Krinzinger

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Graue Bienen von Andrej Kurkow

Malaja Starogradowka, ein Dorf im Niemandsland, irgendwo im Osten der Ukraine, in der sogenannten grauen Zone. Zwei Häuserzeilen, kein Strom, kein Kinderlachen, kein Dorfladen, keine Post. Zwei Bewohner harren hier noch aus. Der eine ist der Bienenzüchter Sergej Sergejitsch, der andere sein Feindfreund Paschka. Die restlichen Bewohner des Dorfes sind geflüchtet, Richtung Westen. Dorthin, wo…

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Im Haus des Meeres

Sie sehen aus als wären sie nicht von dieser Welt, denke ich mir, und presse meine Hand gegen eine Glasscheibe. Hinter dieser Scheibe schweben fluoreszierende Wesen vorbei, mit einer Eleganz und Anmut, die mich an Tänzerinnen und Tänzer erinnert. Mal machen sie sich groß, mal klein, mal schweben sie nach rechts, mal nach links, einer…

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Als ich in der Mongolei meinen ersten Vulkan bestieg

Abfahrt! Dasha wartet schon im Wagen. Unser nächstes Ziel in der Mongolei heißt Erdenet. Diese Stadt ist mit 75000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in der Mongolei. Die schönste ist sie nicht. Die grauen Plattenbauten versprühen so gar keinen Charme. Ihre Größe hat die Stadt dem Fund von Kupfererz zu verdanken und die Kupfermine ist mittlerweile…

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Barfuß in Mumbai

Das Taxi in Mumbai sieht aus als würde es jeden Augenblick zusammenbrechen. Blinker gibt es schon lange keinen mehr, die Armaturen hatten schon bessere Jahre gesehen. An jeder Ampel, an jeder Kreuzung stirbt es ab und wird mit unendlicher Geduld des Taxifahrers und unter einem unendlichen Hupkonzert der restlichen Verkehrsteilnehmer wieder in Gang gebracht. Ich…

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Das Ötztal, eine Zeitreise

„Wumm“. Und wieder: „Wumm“. Und noch einmal: „Wumm“. Rhythmisch, fast wie Musik. Ein weiteres mächtiges „Wumm“ ertönt, als die zwei Lärchenbalken auf den Stein donnern. Christian, der Museumswart im Heimat- und Freilichtmuseum in Ötztal, hat mit Wasserkraft den Pluil (Flachsbrecher) zum Laufen gebracht. Er schiebt Flachsstängel zwischen Balken und Stein. Nach einigen weiteren „Wumm“ ist…

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Baracoa

Guantana-, Guantana-, Guantana-, Guantana-, schon wieder ist die Schallplatte im El Poeta in Baracoa hängengeblieben. Zum dritten Mal in der letzten halben Stunde steht Pablo, der Besitzer des Lokals auf, geht zum Schallplattenspieler und korrigiert die Nadel auf der Platte. Fröhlich erklingt zum vierten Mal der Nationalsong Kubas durch das Restaurant: Guantanamera, guajira Guantanamera, Guantanamera,…

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Salzburg und die Literatur

Ich habe mich verzettelt. Ist ja auch kein Wunder. Als Liebhaberin der Literatur hätte ich nie und nimmer einer Einladung zu einer Pressereise namens Literarisches Salzburg nachkommen dürfen. Ich hätte bedauernd absagen müssen. Denn kaum hielt ich das Programm in Händen, wollte ich schon loslaufen. Literarisches Salzburg Hinein in die nächste Buchhandlung und sämtliche Werke…

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San Juan Chamula

Stell dir vor du gehst in eine Kirche. Du erwartest Bänke, einen Altar, Heiligenfiguren, ein Taufbecken und eine Orgel. Es ist andächtig still, vereinzelt sitzen Menschen in den Bänken, die Hände gefaltet. Ganz vorne kniet eine Frau vor dem Seitenaltar. Doch als Du die Kirchentür in San Juan Chamula öffnest und in die Kirche blickst,…

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Ob Lima und ich Freunde werden?

Ob Lima und ich Freunde werden? Bei meiner Ankunft bezweifelte ich es. Waren die Peruaner im Flugzeug noch diszipliniert, vergaßen sie diese Zurückhaltung angesichts des Gepäckbandes. Sie stellten sich so knapp zum Band, es hatte den Anschein sie wollten darauf springen und so ihr Gepäck einfordern. Laut, lauter, Lima! In der Ankunftshalle lauerten unsere Fahrer,…

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Wege zu Klee

Ist der Hauseingang mit der Nummer 5 geöffnet? Treten Sie doch einfach mal ein! Die paar Stufen hinauf, setzen Sie sich auf einen Stuhl zur rechten. Sind Sie ein geduldiger Mensch? Ich zögere. Soll ich der Aufforderung folgen? Ich gehe über die Straße, stehe vor dem Hauseingang mit der Nummer 5, die Tür wird von…

Ein wilder Ort voller Geschichten!

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Am liebsten würde ich als Wolkenbeobachterin in einem Baumhaus leben. Bis zur Decke vollgestopft mit Büchern, versteht sich. Denn die verschlinge ich, seit ich denken kann. Ich bin eine Vielleserin, durch und durch. Irgendwann hab‘ ich selbst mit dem Schreiben angefangen. Weil ich mich erinnern möchte. Weil sich auf Papier gebracht vieles leichter sagen lässt. Weil ich kleinen und großen Dingen mit den richtigen Worten das nötige Gewicht verleihen will. Wie eine Geschichtenerzählerin. Meine Texte packe ich wie Geschenke in Formulierungen ein – und der Leser packt sie aus.

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